Kabul / Berlin – Meet Lima Taib

paula-immich-interview-lima-taib-traegt-schwarzen-overall Warum sollte ich über meine Musen und Kundinnen schreiben? Weil sie erstaunliche Frauen sind. Viele von ihnen haben einen kreativen Kopf, eine unkonventionelle Persönlichkeit oder einen interessanten Job. Also habe ich ihnen ein paar Fragen gestellt.

Lima ,du bist mit drei Jahren aus Kabul nach Berlin gekommen. Deine Eltern flohen in den 80iger Jahren vor dem Sowjetischen Krieg in Afghanistan nach Deutschland. Deine grössere Familie lebt in den USA und auf der ganzen Welt verstreut und ist mitlerweile ziemlich international: dein Cousin schreibt einen Bestseller auf englisch, dein Schwager spricht persisch mit italienischem Akzent.

Bei so viel Internationalität, gibt es eine Seite an dir, die du als typisch afghanisch bezeichnen würdest?

Bei uns zu Hause wurde schon immer meine Muttersprache Persisch gesprochen. Ich bin mit der afghanischen Kultur der 70er und 80er Jahre meiner Eltern aufgewachsen. Sowohl meine Mutter als auch mein Vater sind sehr liberal erzogen worden. Das hat damit zu tun, dass das Thema Bildung schon immer eine große Rolle im Leben meiner Familie gespielt hat. Ich bin typisch Afghanisch, wenn es um unsere Landesküche geht. Die schätze ich sehr und würde sie nie gegen etwas anderes eintauschen wollen.

…und eine typisch deutsche Seite?

Organisation und Fleiß stehen bei mir an oberster Stelle. Das hat mich immer schon sehr geprägt. Wo würdest du sagen, ist deine Heimat? Ohne jeden Zweifel in Berlin. Berlin ist nicht nur die Stadt, in der ich groß geworden bin, sondern eine wandelnde, multikulturelle und moderne Stadt, die einen mitprägt.

Bist du je an deinen Geburtsort zurück gekehrt? 

Nein, und um ehrlich zu sein, will ich das auch nicht. Ich denke nicht, dass Kabul oder Afghanistan im Allgemeinen, wie es heute ist, viel mit mir oder meiner Herkunft zu tun hat. Ich kenne das Land nicht. Wenn ich mal hinreisen sollte, dann nur an die Grenze Tadschikistans und Afghanistans, denn das war der Ansiedlungsort meiner Familie und das wäre interessant zu sehen.

„Wir leben in einer Welt, in der eingewandert und ausgewandert wird.“

 

findest du es persönlich wichtig, das Gefühl zu haben einer Nationalität anzugehören? 

Für mich spielt die Frage nach einem Nationalgefühl keine Rolle, da ich das nicht besitze und auch nie als erstrebenswert angesehen haben. Wir leben heute in einer Welt, in der eingewandert und ausgewandert wird. Kulturen vermischen sich und erwachen neu. Ich denke, man sollte sich nicht zu sehr an etwas wie Nationalität klammern, da es sehr subjektiv erscheint und für jeden etwas anderes bedeuten kann.

Lima, 2015 hast du eine Weile in China gelebt und studiert. Dann bist auch noch nach Tibet gereist. Was trieb dich ausgerechnet an diese Orte?

China ist anders als alles andere, was ich bisher gesehen haben. Die Menschen denken ganz anders, und es war eine spannende Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Darüber hinaus konnte ich über China nach Tibet reisen, was mir ein großes Anliegen war. Ich reiste mit dem Zug nach Tibet und erlebte einen Roadtrip mit einer kleinen Reisegruppe, der unvergesslich war. Ich unternehme lieber abenteuerliche Reisen in ferne Länder, als am Strand in Thailand zu liegen, wo schon viele vor mir lagen und noch viele Weitere nach mir liegen werden.

„Philosophie kann einen sehr nachdenklich machen – das nicht immer positiv.“

 

Warum hast du Literatur und Philosophie studiert? 

Ich hatte die Wahl zwischen Jura und Literatur und hab mich für den geisteswissenschaftlichen Weg entschieden. Mein Studium hat mich als Mensch sehr geprägt, da ich mich selbst und meine Umwelt danach viel mehr reflektiert habe. Viele materielle Dinge traten schlagartig in den Hintergrund und wirkten nicht mehr so wichtig wie vorher. Philosophie kann einen sehr nachdenklich machen – das nicht immer positiv – aber ich hatte das Glück, dass es sich auf mich sehr zum Guten ausgewirkt hat.

Ausserdem hast  du noch Religionswissenschaft in Potsdam studiert, bist du religiös?

Wenn man in einem liberal geprägten Elternhaus aufwächst, prägt das einen hinsichtlich der Glaubensfrage sehr. Ich persönlich brauche Religion in meinem Leben nicht.

„Ich grenze mich durch Mode eher ab“

 

Mode als Mittel der Kommunikation: mit Mode kann man sich abgrenzen oder ein Zugehörigkeitsgefühl entstehen lassen. Wie siehst du das?

Ich grenze mich durch Mode eher ab, als ein Zugehörigkeitsgefühl entstehen zu lassen. Ich würde meine Stil als reduzierten, cleanen Look bezeichnen mit einem Hauch von Vintage. Ich habe einige Zeit gebraucht um zu merken, wie wichtig es für mich ist, meinen eigenen Stil zu finden, und wie schwierig es sein kann, diesem Stil treu zu bleiben. Trends empfinde ich dabei als anregend für Zugehörigkeit. Sie können deinem Stil mehr Pepp verleihen, aber auch in die Irre führen. Die Balance zwischen eigenem Stil und Trends zu finden, bedeutet für mich eine Form von Kunst.

Vielen Dank, Lima.

Make-up by Cagla Yetiser

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